Monika Fuhl aus Mühringen – über Mehrgenerationen, Mut und ein Leben mit Krebs
Eine Bauzeichnerin, Architektin und ehemalige Ortsvorsteherin erzählt von Sprudelfabrik-Kindheit, Mehrgenerationenhäusern, dem Mut zur Selbstbestimmung – und davon, warum sie ihre Krebsdiagnose öffentlich gemacht hat.
Worum es in dieser Folge geht
Monika Fuhl ist in Mühringen geboren – zu Hause an der Sprudelfabrik, in einem Haus mit acht Personen über drei Generationen. Aus dieser Kindheit nimmt sie bis heute eine klare Überzeugung mit: Gemeinschaft entsteht im Alltag, nicht im Konzept. In diesem Gespräch mit Adina Kocher erzählt sie, wie sie sich mit 15 Jahren ihre Lehrstelle als Bauzeichnerin selbst erklingelt hat, wie sie in Tübingen Fachwerkhäuser umgebaut und für eine Apothekerin ein heute international anerkanntes Museum geschaffen hat.
Sie spricht darüber, warum sie das Ortsvorsteher-Amt für ihren Stadtteil angenommen hat, wie sie Spielplätze, Filmabende und Muttertagsbrunnen organisiert hat – und warum sie ihre Krebsdiagnose öffentlich gemacht hat. „Akzeptieren, annehmen und in die Hand nehmen“ – ein Satz, den ihre Psychologin ihr mitgegeben hat und der zum Leitmotiv des Gesprächs wird.
Drei Take-aways aus dem Gespräch
Was wir aus Monikas Lebens- und Berufserfahrung für Kommunen, Unternehmen und Führungskräfte mitnehmen.
Gemeinschaft entsteht im Alltag – nicht im Konzept
Monika ist in einem Haus mit acht Personen über drei Generationen aufgewachsen. Heute beobachtet sie, wie Neubauten Familien voneinander trennen. Ihr Plädoyer: Mehrgenerationen-Wohnen statt Alters-Ghettos. Eine Idee, die Kommunen bei der Quartiersentwicklung direkt mitnehmen können.
Wer etwas will, klingelt selbst
Mit 15 ist Monika ohne Bewerbungsschreiben zum Ingenieurbüro Kronenbitter gegangen und hat sich ihre Lehrstelle persönlich geholt. Bis heute überzeugt sie: persönlicher Kontakt bewegt mehr als ein Anschreiben. Eine Haltung, die im modernen Recruiting – gerade bei Gen Z – wieder Konjunktur hat.
Akzeptieren. Annehmen. In die Hand nehmen.
Nach ihrer Krebsdiagnose hat Monika sich entschieden, offen darüber zu sprechen. Drei Worte ihrer Psychologin sind seitdem ihr Kompass. Für sie eine Lebensphilosophie, für jede Führungskraft eine Erinnerung daran, wie man mit Unkontrollierbarem umgeht – ohne stehen zu bleiben.
Egal, was es für ein Monster ist – akzeptieren, annehmen und in die Hand nehmen. Das hat mir wahnsinnig geholfen.
— Monika Fuhl
Über Monika Fuhl
Monika Fuhl, Jahrgang 1956, ist gebürtige Mühringerin. Nach der Hauptschule erklingelte sie sich mit 15 Jahren ihre Lehrstelle als Bauzeichnerin – wenig später leitete sie in Tübingen Bauprojekte, sanierte Fachwerkhäuser und gestaltete ein Apotheken-Museum, das heute in Italien, Frankreich und Deutschland Anerkennung findet.
25 Jahre lang war sie Ortsvorsteherin von Mühringen, einem der 17 Stadtteile von Horb am Neckar. Sie gründete die Spielplatz-Initiative, organisiert bis heute Open-Air-Kinos, Brunnenfeste und einen Muttertagsbrunch im Dorf.
2024 erhielt sie die Diagnose Krebs. Sie hat sich entschieden, offen darüber zu sprechen – aus Überzeugung, dass weder Krankheit noch Alter ein Grund sind, sich aus dem Leben zurückzuziehen.
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