Moderne Verwaltung: beweisen statt behaupten
„Modern, digital, innovativ“ steht in jeder Anzeige. Geglaubt wird es nicht mehr.
Nur 15 Prozent der Menschen in Deutschland sagen laut eGovernment Monitor 2026, dass ihre Erwartungen an eine moderne, digitale Verwaltung erfüllt sind. Und genau diese Menschen lesen die Stellenanzeigen von Städten und Gemeinden. Adina erklärt, warum große Worte im Recruiting nicht mehr reichen und was stattdessen hilft.
Auf einen Blick · Oktober 2026
Modern ist man nicht, wenn man es schreibt. Modern ist man, wenn man es zeigen kann.
Kurz gesagt: Moderne Verwaltung steht in vielen Stellenanzeigen, doch laut eGovernment Monitor 2026 sehen nur 15 % der Menschen diese Erwartung erfüllt. Wer sich bewirbt, ist auch Bürger und hat seine Erfahrung mit Ämtern schon gemacht. Spätestens am ersten Arbeitstag wird das Versprechen geprüft. Bei Arbeitgeber-Siegeln kann es seit dem 27. September 2026 sogar rechtlich heikel werden. Die Richtung ist klar: Behauptungen reichen nicht mehr, Sie müssen es zeigen. Am besten mit ehrlichen Videos, einem echten Vorher-Nachher und den Menschen, die bei Ihnen arbeiten.
Das Video
Beweisen statt behaupten: das Video in 11 Minuten
Adina ordnet die Zahlen aus dem eGovernment Monitor ein, erklärt die neue Siegel-Regel im Wettbewerbsrecht und gibt vier Schritte für Ihre nächste Stellenanzeige mit.
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Die Zahlen
Was der eGovernment Monitor 2026 über moderne Verwaltung sagt
Erwartung erfüllt
Nur 15 % der Menschen in Deutschland sagen, ihre Erwartungen an eine moderne, digitale Verwaltung sind erfüllt.
Komplett online
Nur jeder Vierte konnte sein letztes Anliegen bei einer Behörde komplett online erledigen.
Zufriedenheit
Wer digital erledigen konnte, war zu 81 % zufrieden. Wer alles analog gemacht hat, nur zu 64 %.
Quelle: eGovernment MONITOR 2026 der Initiative D21 und der TU München, erschienen Ende September 2026, Zusammenfassung bei Kantar. Adinas Lesart: Wenn es digital klappt, kommt es richtig gut an. Es klappt nur zu selten. Und beim persönlichen Kontakt entscheidet der Faktor Mensch: wie freundlich jemand ist, wie genau er zuhört und ob er das Anliegen versteht.
Recruiting
Wer sich bewirbt, ist auch Bürger
Was hat eine Bürgerstudie mit Recruiting zu tun? Eine ganze Menge. Wer sich bei Ihnen bewirbt, hat seine Erfahrung mit Ämtern schon gemacht. Dann liest er in Ihrer Anzeige „moderne Verwaltung“. Modern ist ein Versprechen, und spätestens am ersten Arbeitstag wird es geprüft. Läuft dann noch das Faxgerät und wandert die Akte dreimal durchs Haus, ist das Vertrauen weg. Oft noch in der Probezeit.
Dabei lügt niemand absichtlich. Das Wort steht drin, weil es alle schreiben. Genau deshalb glaubt es auch keiner mehr.
Siegel
Arbeitgeber-Siegel: jetzt kann es rechtlich heikel werden
Top-Arbeitgeber, familienfreundlicher Betrieb, ausgezeichneter Ausbilder: Manche Siegel sind gut geprüft. Bei anderen weiß keiner, wie sie zustande kommen, und oft kostet das Siegel Geld. Seit dem 27. September 2026 gilt in Deutschland ein geändertes Wettbewerbsrecht, das aus der EU-Richtlinie gegen Greenwashing kommt (§ 3 Abs. 3 UWG mit Anhang Nr. 2a). Danach dürfen Siegel, die Umwelt- oder soziale Eigenschaften hervorheben, in der Werbung nur noch verwendet werden, wenn eine unabhängige Stelle sie prüft oder der Staat sie festgelegt hat. Ein selbstgemachtes Logo „familienfreundlicher Betrieb“ ist damit heikel.
Wichtig: Das ist keine Rechtsberatung. Die Regel ist für Werbung gegenüber Kunden gemacht. Ob sie auch für Siegel in Stellenanzeigen gilt, und erst recht für Stellenanzeigen einer Verwaltung, ist noch nicht geklärt. Im Zweifel fragen Sie Ihren Anwalt oder Ihr Rechtsamt. Die Richtung ist für uns trotzdem klar: Behauptungen reichen nicht mehr. Man muss es beweisen können.
Beweisen
Ehrliche Videos statt großer Worte
Sie können viel erzählen, Fotos stellen und das Beste auf die Karriereseite schreiben. Wenn Sie es nicht zeigen, glaubt es niemand. Das beste Vehikel dafür sind Videos, aber ehrliche. Zeigen Sie auch, was noch nicht funktioniert: „Dass wir immer noch ein Faxgerät haben, nervt uns selbst. Aber wir sind dran.“ Das ist Ehrlichkeit. Wer sich dagegen als topmodern beschreibt, während die Faxnummer auf der Website steht, verliert Vertrauen.
Kritische Fragen zulassen
Wir stellen in unseren Interviews auch polarisierende Fragen: Was war die größte Herausforderung? Was lief mal nicht gut? Kommt dann „bei mir läuft alles super“, merken das die Zuschauer. Ein Film lebt von beidem.
Entwicklung zeigen
Heute sagen: „Mit der Digitalisierung bin ich noch unzufrieden.“ In einem Jahr ein Kurzvideo nachlegen: „Vor einem Jahr war es so, heute ist es so.“ Deshalb machen wir selbst YouTube-Videos und Podcasts: Sie dokumentieren unsere eigene Entwicklung.
In unseren Workshops stellen wir immer die Frage: Was ist bei Ihnen heute besser als vor zwei Jahren? Dann fangen die Leute an nachzudenken. Und es kommt nicht mehr „wir sind ein moderner Arbeitgeber“, sondern etwas Konkretes.
Kanäle
Selbst nach außen gehen statt aufs Amtsblatt warten
Woher soll ein Bürger wissen, dass es das Faxgerät nicht mehr gibt? Auf Ihre Website schaut dafür niemand nach. Sie dürfen proaktiv nach außen gehen, Instagram ist Ihr Kanal. Sie sind nicht mehr auf Zeitung und Amtsblatt angewiesen. Damit können Sie auch Stellung beziehen, wenn ein Beitrag nichts mit dem echten Leben in Ihrer Stadtverwaltung zu tun hat.
Das erzählt aber nicht der Bürgermeister im Anzug mit Krawatte. Das erzählen die Kollegen, die an der Basis arbeiten. Denen glaubt man. Und das nimmt Ihnen keiner ab, auch keine KI.
Umsetzung
Moderne Verwaltung zeigen: vier Schritte für Ihre Stellenanzeige
- Streichen Sie das Wort „modern“ aus Ihrer Stellenanzeige.
- Suchen Sie ein echtes Vorher-Nachher und schreiben Sie hinein, was sich verändert hat.
- Schauen Sie Ihre Siegel an: Wissen Sie, wer sie vergeben hat und wie? Wenn nicht, finden Sie es heraus oder lassen Sie das Siegel weg.
- Zeigen Sie die Menschen, die bei Ihnen arbeiten. Ehrlich, offen, ohne Vorgaben, was sie sagen dürfen.
Der vierte Schritt ist der, den wir täglich mit unseren Kunden gehen. Zeigen können hat mit Videokompetenz, Kamerapräsenz und Medienkompetenz zu tun. Mehr dazu lesen Sie in Personalmarketing Stadtverwaltung und Karriereseite für Stadtverwaltungen.
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Häufige Fragen
Fragen zur modernen Verwaltung in der Stellenanzeige
Wie viele Menschen halten die Verwaltung für modern?
Laut eGovernment Monitor 2026 (Initiative D21, TU München) sagen nur 15 % der Menschen in Deutschland, dass ihre Erwartungen an eine moderne, digitale Verwaltung erfüllt sind. Nur jeder Vierte konnte sein letztes Anliegen komplett online erledigen.
Darf ich „moderne Verwaltung“ noch in die Stellenanzeige schreiben?
Dürfen ja. Aber es glaubt kaum noch jemand, weil es alle schreiben. Besser: das Wort streichen und stattdessen ein echtes Vorher-Nachher nennen, also was sich bei Ihnen konkret verbessert hat.
Was ist mit Arbeitgeber-Siegeln in der Stellenanzeige?
Seit dem 27. September 2026 dürfen Siegel, die Umwelt- oder soziale Eigenschaften hervorheben, in der Werbung nur noch verwendet werden, wenn eine unabhängige Stelle sie prüft oder der Staat sie festgelegt hat. Ob das auch für Stellenanzeigen gilt, ist noch nicht geklärt. Das ist keine Rechtsberatung, fragen Sie im Zweifel Ihren Anwalt oder Ihr Rechtsamt. Prüfen Sie, wer Ihr Siegel vergeben hat und wie. Wenn Sie es nicht wissen, lassen Sie es weg.
Wie beweise ich, dass meine Verwaltung modern ist?
Mit ehrlichen Videos, in denen die Kollegen aus dem Arbeitsalltag erzählen, auch was noch nicht funktioniert. Und indem Sie Entwicklung zeigen: heute den Stand festhalten, in einem Jahr das Vorher-Nachher nachlegen. Auf Ihren eigenen Kanälen, nicht nur im Amtsblatt.
Sie wollen zeigen, was bei Ihnen besser geworden ist?
Genau diese Frage stellen wir in unseren Workshops und vor jeder Kamera: Was ist heute besser als vor zwei Jahren? Mehr Praxis finden Sie im Recruiting Guide und auf unserem YouTube-Kanal.
