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Arbeitgeberbewertung: kununu, Google & Co. richtig nutzen

Arbeitgeberbewertungen sind öffentliche Einschätzungen von Mitarbeitern und Bewerbern auf Plattformen wie kununu, Google oder Glassdoor. Sie gehören zu den ersten Informationen, die Kandidaten vor einer Bewerbung lesen — und wirken stärker als jede Eigenwerbung.

Adina und Arne Kocher von Schwarzwald Anker erklären Arbeitgeberbewertung

Warum Arbeitgeberbewertungen so schwer wiegen

Bewerber vertrauen Erfahrungsberichten mehr als Karriereseiten — aus demselben Grund, aus dem niemand ein Hotel ohne Blick auf die Bewertungen bucht. Eine schwache Bewertungslage untergräbt jede noch so gute Kampagne; sie ist Teil der Arbeitgebermarke, ob man will oder nicht.

Mit Kritik richtig umgehen

  • Antworten, immer: sachlich, ohne Rechtfertigungsschleifen — künftige Bewerber lesen vor allem, wie reagiert wird
  • Keine Namen, keine Details: auch wenn klar scheint, wer schreibt — öffentliche Antworten bleiben allgemein und respektvoll
  • Nicht löschen lassen wollen: Entfernen lässt sich nur, was nachweislich gegen Regeln verstößt; der Versuch, unbequeme Kritik wegzuklagen, macht es meist schlimmer
  • Ernst nehmen: Häuft sich ein Thema, ist es selten erfunden — dann ist die Bewertung ein kostenloser Hinweis, wo intern anzusetzen ist

Ehrlich gute Bewertungen aufbauen

Zufriedene Mitarbeiter bewerten selten von allein — man darf sie bitten, etwa nach bestandener Probezeit oder einem gelungenen Projekt. Wichtig: einladen, nicht anweisen, und niemals Vorgaben zum Inhalt machen. Gekaufte oder gestellte Bewertungen fliegen auf und sind rechtlich angreifbar. Der nachhaltigste Weg bleibt der Alltag: Wer Bewerber respektvoll behandelt (Stichwort Candidate Experience), bekommt auch als Arbeitgeber gute Noten.

Arbeitgeberbewertung verbessern: ein realistischer Fahrplan

Eine schwache Bewertungslage lässt sich nicht in einer Woche drehen — aber in einem halben Jahr spürbar verbessern. So gehen Sie es an, ohne in die Fallen zu tappen:

  1. Bestandsaufnahme: Lesen Sie alle Bewertungen der letzten zwei Jahre auf kununu und Google. Sortieren Sie nach Themen, nicht nach Tonfall. Drei Nennungen zum selben Punkt sind ein Muster, keine Einzelmeinung.
  2. Alle offenen Bewertungen beantworten: Auch die alten. Sachlich, ohne Namen, ohne Rechtfertigungsschleifen. Künftige Bewerber lesen Ihre Antworten als Charaktertest des Arbeitgebers.
  3. Das größte Muster intern angehen: Wenn dreimal „keine Kommunikation der Führung“ steht, hilft keine Antwortstrategie — dann muss sich etwas ändern. Die Arbeitgeberbewertung ist hier kostenlose Organisationsdiagnose.
  4. Anlässe zum Bewerten schaffen: Nach bestandener Probezeit, nach einem Jubiläum, nach einem gelungenen Projekt kurz und offen fragen: Magst du deine Erfahrung teilen? Einladen, nie anweisen — und niemals Inhalte vorgeben.

Was Sie nicht tun sollten: Bewertungen kaufen, Mitarbeitern Formulierungen diktieren oder unbequeme Kritik wegklagen wollen. All das fliegt auf und richtet mehr Schaden an als jede Ein-Sterne-Bewertung. Realistisches Ziel nach sechs Monaten: Alle Bewertungen beantwortet, die neuen ehrlicher und besser, das schlimmste interne Muster behoben. Genau in dieser Reihenfolge entsteht aus einer Baustelle ein Aushängeschild.

Und zum Schluss die Frage nach dem Aufwand: Rechnen Sie für den Start mit einem konzentrierten Nachmittag für die Bestandsaufnahme und danach mit einer halben Stunde pro Woche für neue Bewertungen und Antworten — mehr braucht ein gepflegtes Profil selten. Verglichen mit dem, was auf dem Spiel steht, ist das wenig: Die Arbeitgeberbewertung ist für viele Kandidaten die letzte Station vor der Entscheidung, ob sie den Bewerben-Knopf drücken. Wer dort souverän, menschlich und ehrlich auftritt, gewinnt Bewerbungen, von denen er nie erfährt, dass sie fast nicht abgeschickt worden wären. Genau diese unsichtbaren Gewinne machen den Unterschied im Fachkräftemangel.

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Häufige Fragen

Kann man schlechte Arbeitgeberbewertungen löschen lassen?

Nur wenn sie nachweislich gegen die Plattformregeln oder geltendes Recht verstoßen, etwa bei Beleidigungen oder falschen Tatsachenbehauptungen. Sachliche Kritik ist zulässig — die beste Antwort darauf ist eine souveräne öffentliche Reaktion.

Sollte man auf jede Bewertung antworten?

Ja — auf positive kurz und dankend, auf kritische sachlich und ohne Namen. Die Antworten sind Schaufenster: Künftige Bewerber lesen sie mit.

Welche Plattformen sind für Arbeitgeber am wichtigsten?

In Deutschland vor allem kununu und Google; je nach Branche auch Glassdoor und Indeed. Für regionale Arbeitgeber und Kommunen zählt Google oft am meisten, weil dort jeder zuerst schaut.

Verwandte Begriffe: Arbeitgebermarke · Candidate Experience · Mitarbeiterbindung · Employer Branding

Schwarzwald Anker