Personalmarketing-Lexikon › Storytelling im Recruiting

Storytelling im Recruiting: Warum Geschichten Bewerber bewegen

Storytelling im Recruiting bedeutet, die Arbeitgebermarke nicht als Liste von Vorteilen zu präsentieren, sondern als Geschichten echter Menschen: Wer arbeitet hier, was hat ihn hergebracht, welches Problem löst er, was hält ihn. Geschichten werden erinnert und weitererzählt, Listen nicht.

Adina und Arne Kocher von Schwarzwald Anker erklären Storytelling im Recruiting

Warum Geschichten wirken und Listen nicht

„Flexible Arbeitszeiten, Jobrad, betriebliche Altersvorsorge“ steht in jeder zweiten Stellenanzeige. Niemand erinnert sich daran. Erinnert wird die Bauhofmitarbeiterin, die erzählt, wie sie nach zwanzig Jahren im Einzelhandel mit 45 den Führerschein für den Lkw gemacht hat und heute im Winterdienst die Straßen ihrer eigenen Kinder räumt. Das ist dieselbe Information, Quereinstieg möglich, Sinn in der Arbeit, nur als Geschichte. Unser Gehirn behält Menschen und Wendungen, keine Aufzählungen. Storytelling im Recruiting nutzt das: Es übersetzt Benefits in Erlebnisse.

Wie eine gute Mitarbeitergeschichte gebaut ist

  1. Eine Person, keine Abteilung. Die Geschichte gehört einem Menschen mit Namen.
  2. Ein Vorher. Wo kam sie her, was war das Problem, die Sehnsucht, der Zufall?
  3. Eine Wendung. Der Moment, an dem sich etwas entschieden hat.
  4. Ein Alltag. Wie sieht die Arbeit heute konkret aus, mit Bildern, Geräuschen, Gerüchen. Je sinnlicher, desto glaubwürdiger.
  5. Ein Satz, der bleibt. Etwas, das die Person wörtlich gesagt hat, nicht die Pressestelle.

Solche Sätze entstehen nicht am Schreibtisch, sondern im Gespräch. Deshalb arbeiten wir im Interview mit Reibungsfragen, die keine auswendig gelernten Antworten zulassen, und drehen dort, wo Arbeit stattfindet. Wie das geht, beschreibt der Eintrag Recruiting-Film.

Ein eigenes Beispiel: Böblingen, eine Marke, acht Berufswelten

Die Stadt Böblingen hat rund 60 Mitarbeiter als Markenbotschafter vor die Kamera geholt. Statt eines Films über „die Stadtverwaltung“ entstanden 18 Recruiting-Filme über acht Berufswelten, vom Bauhof bis zur Kita, jede mit eigenen Menschen und eigenem Versprechen unter einem gemeinsamen Dach (Quelle: Referenz Stadt Böblingen). Das ist Storytelling im großen Maßstab: Nicht eine Geschichte für alle, sondern eine Geschichte pro Welt, damit sich die Erzieherin und der Straßenbauer beide wiederfinden. Gefeiert wurde mit einer Premiere im Kino, mit den Menschen aus den Filmen als Hauptdarsteller.

Storytelling in der Verwaltung: die häufigsten Einwände

  • „Wir dürfen keine Einzelnen herausstellen.“ Sie dürfen, wenn die Menschen es wollen. Die Geschichte gehört ihnen, nicht der Behörde. Freiwilligkeit und Einwilligung sind die Grundlage.
  • „Bei uns passiert nichts Spannendes.“ Spannend ist nicht der Job, spannend ist der Mensch darin. Jeder hat ein Vorher und eine Wendung.
  • „Das klingt nach Werbung.“ Werbung behauptet. Eine Geschichte zeigt. Wer ehrlich erzählt, auch von Schwierigem, wird geglaubt.

Storytelling ist kein Trick, sondern die älteste Form, Wissen weiterzugeben. Im Recruiting heißt es einfach: Lassen Sie die Menschen erzählen, die es wissen. Dann entsteht eine Arbeitgebermarke, die niemand erfinden musste.

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Häufige Fragen

Was ist Storytelling im Recruiting?

Die Arbeitgebermarke wird über Geschichten echter Mitarbeiter erzählt statt über Benefit-Listen: Vorher, Wendung, Alltag, ein Satz, der bleibt.

Wie finde ich Geschichten im eigenen Team?

Im Gespräch, nicht per Fragebogen. Fragen Sie nach dem Vorher und dem Moment, an dem sich etwas entschieden hat. Quereinsteiger haben fast immer eine Geschichte.

Funktioniert Storytelling auch für eine Stadtverwaltung?

Ja, besonders gut, weil niemand es dort erwartet. Böblingen hat aus acht Berufswelten 18 Filme mit echten Mitarbeitern erzählt.

Verwandte Begriffe: Recruiting-Film · Markenbotschafter · Arbeitgebermarke · Employer Value Proposition

Schwarzwald Anker